Sonntag, 12. April 2009

Atacama - Gedanken zur Vergaenglichkeit

Hier kommt es immer anders, als man denkt.
Wie ihr vielleicht (nicht) wisst, ist die Atacama neben Kupfer beruehmt fuer den Abbau von Salpeter und anderen Salzen im grossen Stil. Also wollten wir heute eine Salpetermine besuchen. Was wir dann gesehen haben, war eine um 1920 gegruendete und vor reichlich 10 Jahren verlassene Minensiedlung. Man kann sich kaum vorstellen, was da fuer eine seltsam gespenstische Stimmung herrscht. Da wurde also zur Beherbergung der Arbeiter und deren Familien mitten in der Wueste eine komplette Siedlung auf dem Reissbrett entworfen. Mit Kirche, Kindergarten, Post, Sportstadium, Krankenhaus, Ladenstrasse und Wohngebaeuden. Nachdem die Lagestaette ausgebeutet war, ist die Siedlung komplett verlassen worden. Ist in diesem Fall noch gar nicht so lange her, sieht aber so aus. Der salzige Wuestenstaub deckt alles zu. Die Daecher sind abgetragen, die Fensterscheiben zerbrochen und die einst muehsam am Leben erhaltenen Baueme und Palmen vertrocknet. An den Waenden des Krankenhauses haben sich ehemalige Bewohner mit ihren Geburtsdaten und Kindheitserinnerungen verewigt. Es finden sich noch OP-Scheinwerfer und der Autoklav fuer die OP-Waesche. Irgendwie ein beklemmendes Ambiente, wenn man darueber nachdenkt, wie die Familien wohl gewohnt und gearbeitet haben. Unter welchen Umstaenden moegen sie gegangen sein und wo leben sie jetzt. Wie gesagt, der Wuestenstaub traegt wohl viel zur Stimmung bei. So lange ist das alles noch nicht her und es handelte sich auch nicht um ein Arbeitslager.
Bergbau ist extrem. Er bringt Reichtum, aber wenn die Staetten ausgebeutet sind, ist er wieder weg oder zieht weiter.
Auf dem Rueckweg sind wir an einer wesentlich aelteren Siedlung vorbeigekommen und haben den Friedhof besichtigt. (Im Allgemeinen muss angemerkt werden, dass die Chilenen eher sparsam beschildern. Manches wird zwar als Kultur- oder Naturdenkmal irgendwo bezeichnet, aber das heisst noch lange nicht, dass es irgendwo zweckdiendliche Informationen gibt...). Naja, der Friedhof war jedenfalls ein Schocker. Die meisten Graeber waren mit Holzkreuzen versehen von denen derSand jede Farbe abgeschliffen hatte im Laufe der Zeit. Einige hatten jedoch Kupfer- oder Marmorplatten. Denen zufolge war die Kindersterblichkeit sehr hoch und der Friedhof muss Ende der 1930er Jahre verlassen worden sein. Vermutlich die etwas besser betuchten ehemaligen Siedler brachten ihre Toten in Saergen in Gruften statt nur einem Erdloch unter. Und jetzt kommt's. Die meisten Gruften waren aufgebrochen und ebenfalls die Saerge. Erst dachten wir, es laegen noch Schuhe und Kleider darin, bis wir feststellten, an den Schuhen haengen noch Beine... Die trockene und salzige Wuestenluft hatte saemtliche Leichen mumifziert. Ich habe Mumien auf einem Friedhof gesehen! Ich rede hier nicht von einem Museum. Dass es einem dabei wirklich kalt den Ruecken runterlaeuft, liegt gar nicht so sher am Anblick oder Geruch. (Es mueffelt recht charakteristisch in so einer Gruft.) Vielmehr ist es die Tatsache, wie respekt- und skrupellos diese Grabraeuber auf der Suche nach ein paar verkaufbaren Antiquitaten vorgegangen sind. Sie brechen alle Saerge auf und die Leichen sind zum Teil verschwunden, einem hatten sie den Kopf abgerissen. Viele der Babysaerge waren lehr, in einem war noch ein kleiner Brustkorb zu sehen. Vielleicht etwas groesser als ein Huhn...Und warum muss man Schaedel zertruemmern? Das waren sicher einzigartige Eindruecke. Sie waren allerdings nur zufaellig und nur durch ruecksichtslose Grabschaendung zu Stande gekommen. Ich habe ueberlegt, aber mich entschieden, euch ein paar Bilder auf den Blog zu stellen. Es sind keine Personennamen und Ortsangaben dabei. Der Schaden auf dem Friedhof ist leider sowieso schon geschehen. Solltet ihr eine genteilige Meinung haben, lasst es mich bitte wissen.

Freitag, 10. April 2009

Atacama

Liebe Leser, endlich gibt es Neues. Und zwar aus der Atacamawueste in Chile, die ich derzeit mit meinen Eltern bereise. Aufgebrochen sind wir von Calama, einer trockenen und langweiligen Stadt, die aber in der Naehe die groesste Kupefermine der Welte (Chuquicamata)beherbergt. Wir sind dann nach San Pedro de Atacama als Ausgangspunkt unserer Touren aufgebrochen. Das ist eine charmante Oasensiedlung mit tollen Restaurants. Unterwegs sind wir mit einem 4x4 Pickup-Truck, der aber auch noetig ist. Die Pisten sind milde ausgedrueckt rau. Manchmal schwimmt das Auto nur mangelhaft kontrollierbar ueber den Schotter. Mal denkt man, man stuerzt in den naechsten Cañon und dann wieder hofft man, dass bei dem Geschuckel am Ende des Tages noch alle inneren Organe an Ort und Stelle sind.
Gleich am ersten Tag sind wir auf 4500m hoch gefahren. Sowohl Mensch als auch Maschine keuchen bei dem Sauerstoffmangel. Mir haben die Ohren geklingelt, der Puls rast und man kann nicht mal einfachste Gedanken halten. Der wind weht heftig und die Luft ist kalt und trocken. Augen, Nase und Lippen trocknen schnell aus und man ist immer am Trinken und Creme schmieren.
Wer war schonmal in der Wueste? Ich bin schwer beeindruckt von der Farbenvielfalt und den Kontrasten trotz der scheinbaren Kargheit der Landschaft. Es gibt unzaehlige Toene und Schattierungen von braun, weiss, gelb, grau und gruen und violett, je nach Sonnenstand. Wir haben farbige Salzseen gesehen, die in tuerkis, weiss oder balu leuchten. Kommt wiederrum auf die geloesten Minerale an, Kupfersalze machen natuerlich schoen blaugruen. Gleich am ersten Tag haben wir die Flamingos nach Salzkrebschen fischen gesehen. Es erscheint schon unwirklich, einen rosa Flamingo auf 4500m Hoehe zu sehen, im Hintergrund ein Panorama aus schneebedeckten 6000er Vulkanen. Besagte Salzseen warenn zum Teil mit Eis bedeckt und wenige Meter weiter konnte man Dank einer heissen Quelle baden gehen. Irre!
Gleich zur Entschuldigung muss ich sagen, dass meine Kamera schwaechelt, wenn es darum geht, die vielen Farben und Konturen einzufangen. Alles leider nur ein mieser Abklatsch der phantastischen Wirklichkeit.
Heute gibt es viele Tierfotos. Der Fuchs ist ein natuerlicher Bewohner der Wueste, lungert in dem speziellen Fall aber bei den bolivianischen Grenzbeamten rum. Da bekommt er naemlich die Reste vom Mittagessen. Lamas, Ziegen und Esel laufen frei herum. Einsperren waere wohl unmoeglich, da sie sehr weit laufen muessen, um Nahrung zu finden. Die wilden Verwandten der Lamas, die Vicuñas, sieht man auch haeufig. Sie sind zierlicher und haben kein buntes Fell.
Mehr Wuesteneindruecke demnaechst. Ich kann nur sagen, obwohl die Atacama eine der trockensten Wuesten der Welt ist, lebt sie! Bleiben Sie dran.

Aloha nui loa,

Eva

p.s.
Almuts Spezialecke
Einen Extragruss an Sabine in Kolkwitz:
Ganz ganz viele Gute Wuensche zu Deinem Geburtstag

sendet Almut aus dem fernen Chile