
Wie ich hoere, frieren bei euch nicht mal jeden Tag die Autoscheiben zu! Wenn das kein Grund zur Freude ist.
Ich lolligage hier so vor mich hin. Ist eines meiner neuen Lieblingswoerter: lolligag (faulenzen).
Auf einem Spaziergang habe ich letztens ein paar Guppies gefangen und ihnen auf der Veranda ein gemuetliches Heim in einem alten Katzenstreueimer eingerichtet. Es ist wirklich spannend, sie zu beobachten und ich bin ganz in meinem Element,

wenn ich fuer sie die saftigsten Mueckenlarven im Garten suche. Gut, eigentlich ist da das Pferd von hinten aufgezaeumt. Eigentlich sollte ich nicht extra fuer sie suchen gehen, sondern die Leute haben sie hier quasi als Nutztiere zur Vermeidung von Mosquitoplagen in Regentonnen. Wie ich las, wurden Guppies sogar extra in Panama eingefuehrt, um den Arbeitern den Bau des Panamakanals zu ermoeglichen, ohne dass sie reihenweise von Malaria hingerafft werden.
Nun kommt mal wieder eine sozialkritische Betrachtung. P. hat sich letzte

Woche beim Frisbeespielen ploetzlich schmerzverkruemmt am Boden gerollt. Der Knoechel war ganz offensichtlich f***ed up, wie man hier so sagt, naeheres konnten wir natuerlich nicht diagnostizieren. Wie wuerden bei aufkommenden Zweifeln wahrscheinlich recht fiz ins Krankenhaus fahren. Da P. aber einer von mindestens 30 Mio US-Amerikanern ist, der keine Krankenversicherung hat, wurde erstmal eine Nacht drueber geschlafen. Am naechsten Morgen sind wir doch in eine "urgent care clinic" gefahren.

Ist vom Konzept her nicht schlecht. Dort kann man sich hinwenden, wenn man ein akutes medizinisches Problem hat, welches aber nicht lebensbedrohlich ist. Man muss also nicht Stunden in der Notaufnahme zubringen und sich auch nicht in einer normalen Praxis mit den regulaer einbestellten Patienten rumschlagen. Diese Ambulanzen behandeln wohl eher Patienten aus niederen sozialen Schichten, denn mit Versicherungskarte geht man eher in die groesseren Kliniken. Jedenfalls hatte die Dame am Empfang diverse

Schilder an ihrer Scheibe kleben mit Hinweisen wie: "Keine Versicherungskarte, kein Personalausweis, kein Artzbesuch." Das heisst nicht, dass irgendjemand da unfreundlich oder herablassend war, im Gegenteil. Nur die Spielregeln sind eben klar. Mit der Versicherungskarte das stimmt dann doch nicht ganz, Barzahlung (oder Scheck) geht natuerlich immer. Und zwar wie folgt:
Grundgebuehr Artzbesuch mit Diagnose: 125 Dollar
Roentgendbild war leider noetig fuer den Knoechel: 52 Dollar (zahlbar am gleichen Tag fue 52 Dollar oder zu einem spaeteren Zeitpunkt fuer das Doppelte)
Schiene fuer den Knoechel: 40 Dollar
Kruecken: 21 Dollar (Apotheke im Walmart)
Achso, Knoechel war gebrochen, kann aber ohne OP wieder verheilen. Alles in allem also ein rechtes Schnaeppchen. An eine OP will man da gar nicht denken...
Ich denke

also, bei allem Gemaule ueber unser Gesundheitssystem muss man mal wieder die Relation sehen. Um es nochmal klarzustellen: 200 USD sind noch zu verschmerzen, aber ohne Versicherung und ohne Geld wird definitiv nicht behandelt. Die Obama-Regierung (und Hilary Clinton schon seit laengerer Zeit) versucht gerade, eine staatliche KV fuer alle durchzusetzen. Das ist noch nie dagewesen hier und schlaegt maechtig Wellen. Die "Besserverdiener" sehen sich bedroht, fuer die ganzen "looser" mitzubezaheln. Die Idee der "Sozialgemeinschaft" und des Einzahlens in einen grossen Topf damit dem Einzelnen im Krankheitsfall eine angemessene Behandlung ermoeglicht werden kann, ist hier fuer manchen ein Schreckgespenst. Andere sehnen es herbei. Ich hoffe, dass unsere Regierung es schafft, die finanziellen Resourcen, die wir zweifellos haben, in einem durchdachten Gesundheitssystem angemessen zu verteilen. Und ich wuensche mir, dass einige unserer Buerger sich mal besinnen und die positiven Aspekte wuerdigen. Es wird manchmal einfach auf extrem hohen Niveau gejammert. Naja, ich brech an dieser Stelle ab, sonst red ich mich in Rage. Die Kollegen in der Apotheke werden das kleine Wutgefuehl kennen, das angesichts besonders dreister Zeitgenossen manchmal in einem aufsteigt. Viele Gruesse nach Heidelberg und Mannheim an dieser Stelle.
Was meine pharmazeutischen Aktivitaeten angeht, habe mir ein HPLC-Buch aus Honolulu kommen lassen. D. ist Student an der University of Hawaii und so habe ich die Chance genutzt und ein Buch einfliegen lassen. Cool was? Jetzt muss ich nur noch anfangen, zu lesen..
Ha, uebrigens hat am Strand jemand Fotos von den Surfern geschossen. Und ratet, wer mit drauf ist!!!!!!!!

Ansonsten werd ich heute Nacht mal kammerjagen gehen, hab mir ein fieses Spray gekauft. Aber seit hier letztens eine Kommode umgeraeumt wurde, flitzen die Riesenkakerlaken nachts nur so durch die Gegend. Die Tierchen sind ja tagsueber nie zu sehen und ausserdem recht scheu. Wenn man sich aber mal abends ein Glas Wasser holt und dazu in der Kueche das Licht anmacht, bekommt man das kalte Grausen. Hier sind die Schaben fast so gross wie andernorts die Goldhamster. Besonders gespenstig finde ich ihre langen Fuehler, die pausenlos wie Antennen die Luft nach Nahrungsmittelgeruechen filtern. Huahhhh. Ich hab schon versucht, die Katze auf sie anzusetzen, aber die will nicht.
Naja, ich hoffe, bei euch ist es inzwischen zu kalt fuer eklige Tiere.
Aloha nui loa,
Eva
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