
Hier kommt es immer anders, als man denkt.
Wie ihr vielleicht (nicht) wisst, ist die Atacama neben Kupfer beruehmt fuer den Abbau von Salpeter und anderen Salzen im grossen Stil. Also wollten wir heute eine Salpetermine besuchen. Was wir dann gesehen haben, war eine um 1920 gegruendete und vor reichlich 10 Jahren verlassene Minensiedlung. Man kann sich kaum vorstellen, was da fuer eine seltsam gespenstische Stimmung herrscht. Da wurde also zur Beherbergung der Arbeiter

und deren Familien mitten in der Wueste eine komplette Siedlung auf dem Reissbrett entworfen. Mit Kirche, Kindergarten, Post, Sportstadium, Krankenhaus, Ladenstrasse und Wohngebaeuden. Nachdem die Lagestaette ausgebeutet war, ist die Siedlung komplett verlassen worden. Ist in diesem Fall noch gar nicht so lange her, sieht aber so aus. Der salzige Wuestenstaub deckt alles zu. Die Daecher sind abgetragen, die Fensterscheiben zerbrochen und die einst muehsam am Leben erhaltenen Baueme und Palmen vertrocknet. An den Waenden des Krankenhauses haben sich ehemalige Bewohner mit ihren Geburtsdaten und Kindheitserinnerungen verewigt. Es finden sich noch OP-Scheinwerfer und der Autoklav fuer die OP-Waesche. Irgendwie ein beklemmendes Ambiente, wenn man darueber nachdenkt, wie die Familien wohl gewohnt und gearbeitet haben. Unter

welchen Umstaenden moegen sie gegangen sein und wo leben sie jetzt. Wie gesagt, der Wuestenstaub traegt wohl viel zur Stimmung bei. So lange ist das alles noch nicht her und es handelte sich auch nicht um ein Arbeitslager.
Bergbau ist extrem. Er bringt Reichtum, aber wenn die Staetten ausgebeutet sind, ist er wieder weg oder zieht weiter.
Auf dem Rueckweg sind wir an einer wesentlich aelteren Siedlung vorbeigekommen und haben den Friedhof besichtigt. (Im Allgemeinen muss angemerkt werden, dass die Chilenen eher sparsam beschildern. Manches wird zwar als Kultur- oder Naturdenkmal irgendwo bezeichnet, aber das heisst noch lange nicht, dass es irgendwo zweckdiendliche Informationen gibt...). Naja, der Friedhof war jedenfalls ein Schocker. Die meisten Graeber waren mit Holzkreuzen

versehen von denen derSand jede Farbe abgeschliffen hatte im Laufe der Zeit. Einige hatten jedoch Kupfer- oder Marmorplatten. Denen zufolge war die Kindersterblichkeit sehr hoch und der Friedhof muss Ende der 1930er Jahre verlassen worden sein. Vermutlich die etwas besser betuchten ehemaligen Siedler brachten ihre Toten in Saergen in Gruften statt nur einem Erdloch unter. Und jetzt kommt's. Die meisten Gruften waren aufgebrochen und ebenfalls die Saerge. Erst dachten wir, es laegen noch Schuhe und Kleider darin, bis wir feststellten, an den Schuhen

haengen noch Beine... Die trockene und salzige Wuestenluft hatte saemtliche Leichen mumifziert. Ich habe Mumien auf einem Friedhof gesehen! Ich rede hier nicht von einem Museum. Dass es einem dabei wirklich kalt den Ruecken runterlaeuft, liegt gar nicht so sher am Anblick oder Geruch. (Es mueffelt recht charakteristisch in so einer Gruft.) Vielmehr ist es die Tatsache, wie respekt- und skrupellos diese Grabraeuber auf der Suche nach ein paar verkaufbaren Antiquitaten vorgegangen sind. Sie brechen alle Saerge auf und die Leichen sind zum Teil verschwunden, einem hatten sie den Kopf abgerissen.

Viele der Babysaerge waren lehr, in einem war noch ein kleiner Brustkorb zu sehen. Vielleicht etwas groesser als ein Huhn...Und warum muss man Schaedel zertruemmern? Das waren sicher einzigartige Eindruecke. Sie waren allerdings nur zufaellig und nur durch ruecksichtslose Grabschaendung zu Stande gekommen. Ich habe ueberlegt, aber mich entschieden, euch ein paar Bilder auf den Blog zu stellen. Es sind keine Personennamen und Ortsangaben dabei. Der Schaden auf dem Friedhof ist leider sowieso schon geschehen. Solltet ihr eine genteilige Meinung haben, lasst es mich bitte wissen.
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