Mittwoch, 12. November 2008

Vamos a la playa!

Ich hatte es ja schon angekuendigt: letztes WE sind wir aufgebrochen, um die Straende Michoachacans zu erkunden. Und es war ein herrliches, entspanntes Wochenende! Morgens um sind wir mit 2 Freunden im Pickup aufgebrochen. Hier im Hochland (3000m) ist es ja ziemlich frisch und so sassen 2 von uns dick eingepackt und bis zur Nasenspitze in viele Decken gehuellt hinten auf der Ladeflaeche. Wie schon in Hawaii ist das meine Lieblingsart zu reisen. Man kann wahlweise die Sterne oder die Sonne sehen, den Wind spueren und man merkt auch, wie sich die Luft langsam veraendert und man dem Meer naeher kommt.Es war ein bisschen wie bei Peterchens Mondfahrt, nur das der ja wohl in seinem Gitterbettchen sass.
In bitterer Kaelte sind wir losgefahren und morgens bei strahlender Sonne in der playa azul angekommen. Mexico ist ebenso wie Hawaii geographisch auesserst vielfaletig, nur dass man hier laengere Wege zuruecklegen muss.
Wie immer im Pazifik war etwas Vorsicht mit den Wellen geboten. Hier gibt es zudem viele Leute, die gar nicht schwimmen koennen.
Den Tag haben wir sehr gediegen an verschiedenen Straenden verbracht und abend einen frischen, koestlich gebratenen huachinangoo (Rotbarsch) verspeist. Anschliessend haben wir unser Zelt ungelogen 15 Schritte vom Strand aufgeschlagen. Viele Straende hier bestehen aus sehr feinem Sand. Deshalb kommen die Schildkroeten (gerade ist es soweit) an Land, um ihre Eier zu verbuddeln. Direkt nebem dem Zelt hockte ein grosses Exemplar und hat Eier abgelegt.So spannend wie das ist, denke ich doch, dass man die Straende irgendwie sperren muesste fuer die Zeit der Eiablage. Oder zumindest Camping nur in bestimmten Gebieten gestatten sollte. Die armen Tiere wissen ja gar nicht wohin und ausserdem schrecken sie natuerlich Laerm und Licht. Und leider leider ist es auch verbreitet, die Eier zwecks Verzehr zu stehlen....
Am naechsten Tag haben wir noch mehr Straende erkundet und in der Bucht von Caleta war ich kraeftig bodysurfen. Der Pickup war unser treuer Begleiter und hat nicht nur uns sondern auch die Gitarre und die Kuehlbox (Eiswuerfel und Tequila..)beherbergt.
Spaet in der Nacht sind wir mit viel Sonne im Herzen und schoenen Erinnerungen an die Kueste Michoacans heimgekehrt.
Hay una cancion que se llama "Que lindo es Michoacan" y hay que decir que es cierto. Tambien, muchas gracias a nuestros amigos M. y M. para acompañarnos y mostrarnos su pais querido. Ese fin de semana fue de toda madre!

Bis bald. Liebe Gruesse an euch alle!
Eva

Montag, 3. November 2008

Totentanz

Hallo, ihr Lieben. Ich bitte die kuerzliche Schreibfaulheit zu entschuldigen. Was gibt es also zu erzaehlen? Ich hatte das Glueck, zu einem der wichtigsten Feiertage hier zu sein: dem Dia de los muertos. Bei uns ist es irgendein trauriger Feiertag, an dem ich mich im Grunde nur freue, nicht zur Arbeit zu gehen. Hier ist es ein geselliges und recht froehliches Ereignis. Die Grundidee ist, dass an diesem Tag die Seelen der Verstorbenen die Familie aus dem Jenseits besuchen kommen.Eigentlich sind es 2 Tage. Der 1. November fuer die angelitos (Engelchen d.h. Kinder) und der 2. November fuer die Erwachsenen. Je nach Gegend und Dorf sind dann auch die Braeuche sehr verschieden. Hier in Nahuatzen legen sich die Menschen richtig ins Zeug. Die Graeber werden sehr aufwendig und kunstvoll mit Blumen, Gestecken und Kerzen geschmueckt. Beliebte Farben sind rot, lila, orange, viel weiss und gelb. Vorherrschende Blumen Gladiolen, Astern, und Tagetes. Letztere riechen sehr stark und werden wie Kiefernnadeln auch grosszuegig auf den Weg zum Grab gestreut. Abends und am 2. November auch mittags wird den Verstorbenen ihr Lieblingsessen dargebracht. Hauefig sind das also Tortillas, Tamales, Huehnchen mit mole, Fruechte, Suesses...Es werden in diesen Tagen Totenbroetchen, kleine und grosse Totenkoepfe und Saerge aus Zucker, Totenkopflollies, Skelettgirlanden uvm verkauft.Bei uns in der Schule gab es zwischen den Klassen einen Wettbewerb in der Gestaltung des schoensten Grabes. Und einige sind wirklich sehr schoen und phantasievoll geworden. Wir sind am ersten Abend auf den Friedhof eingeladen worden. Wer jetzt denkt, dass das gruselig ist, der irrt. Wie koennte es auch. Wurden doch ein paar kraeftige Flutlichter installiert, Lagerfeuer entzuendet und die Stereoanlag weit aufgedreht. Noch beeindruckender war aber der folgende Sonntagmittag. Wir waren also zum Mittagessen auf dem Friedhof eingeladen. Was soll ich sagen - es war Volksfeststimmung. Auf den Grabsteinen standen grosse Toepfe mit mole und Fruechtekoerbe und die Familien sassen zum Essen zusammen.Die Kinder hatten Boeller mit, die Dorfjugend six packs mit Bier, Spielzeug wurde verkauft. Und es gab auch eine Band, die fuer ein paar Pesos am aufgespielt hat. Fuer unsereinen etwas befremdlich, denn immerhin sind wir zwischen Grabhuegeln umhergeschlendert und haben Sosse auf irgendwelche Grabsteine gekleckert. Das ganze Dorf war da und die Stimmung sehr ausgelassen. Zwischendrin haben die Familien auch gebetet und fuer ihre Verstorbenen gesungen. Ich habe mich mit Fotos zurueckgehalten, da es mir doch bei aller Froehlichkeit als etwas recht persoenliches und familiaeres erscheint.
Das Wochenende davor waren wir in Tingambato und haben eine kleine, aber sehr feine Pyramide besichtigt. Ausserdem habe ich euch ein Foto von einer formschoenen Frucht mitgebracht. Sie heisst hier Lima und ist irgendeine Zitrusfrucht, die sehr aromatisch schmeckt.Ansonsten kommt gerade wieder etwas Schwung in mein Leben. Gott sei Dank sozusagen, denn wir haben den Padre des Dorfes kennengelernt. Seines Zeichens nicht nur Kirchenmann sondern auch Geologe! Er geniesst grosses Ansehen hier weil er unter anderem mit seinem Hubschrauber nach Trinkwasserquellen sucht. Gestern waren wir mit ihm und der ganzen Schule auf einem Vulkan (3300m). Morgens um 5 (!) sind wir aufgebrochen und nach sehr beschwerlicher, weil sehr steiler, Wanderung um 9 angekommen. Der Ausblick war herrlich und der vulkanische Ursprung der Tierra fria laesst sich bestens erkennen.Wie lauter Menschaergerdichmaennchen stehen die alten Vulkane in der Gegend herum. Meine Fuesse haben ein wenig Schaden gelitten, aber die Wanderung war toll und hat sich gelohnt.
Heute haben wir noch eine Theologiestudenten kennengelernt, den sie nach Innsbruck (!) versetzen werden. Coole Sache das, und wir werden ihn in Deutsch unterrichten. Ein lustiger, untypischer (?) Padre uebrigens. Nicht nur hat er ein Motorrad und raucht ziemlich viel. Zudem hat er Poster von Che Guevara und Emiliano Zapata im Zimmer haengen. Die Zapatisten sind ueberhaupt eine interessante Bewegung. Weiterer Lichtblick: ich habe jetzt einen Arzt im Englischkurs.
Er will sich auf Chirurgie spezialisieren und muss daher ein wenig Fachenglisch lernen. Wie der Zufall manchmal so spielt. Ich finde es sehr angenehm, sich endlich mal ueber mehr als das Wetter zu unterhalten. Morgen fahren wir mit ihm und einem Cousin and die Kueste. Juchu! Die anderen Freiwilligen fahren, glaube ich, oefter nach Morelia, um sich zu treffen. Ich finde, wir haben mit "unseren Leuten" in Nahuatzen viel Glueck. Sie sind sehr freundlich und laden uns immer zu allerlei Fiestas ein.So haben wir schon eine ganze Menge von Michoacan gesehen und auch gehoert. Wie gesagt, morgen geht es ans Meer und im Auto und mit Einheimischen ist es natuerlich viel lustiger als im Bus.
Euch allen ein schoenes Wochenende und liebe Gruesse,

Eva