Ich will mal meine Eindruecke schildern, denn die kulturellen Gepflogenheiten sind eben verschieden.
Ich empfand es von der Stimmung her eher wie einen Betriebsausflug, es wurde gescherzt und gelacht. Wir haben dann in/vor der Kirche am Gottesdienst teilgenommen und sind dann zur Beisetzung gefahren. Ich fand die Stimmung erstaunlich, denn es wurde ja ein Anschlagsopfer zu Grabe getragen. Es gab natuerlich weinende Menschen in schwarzer Kleidung. Ebenso erschienen allerdings Leute in Fussballtrikos, bunter Kleidung und die Gespraeche reichten ueber Partyerlebnisse bis Kochrezepte. Ich selbst kannte die Verstorbene ja auch nicht, fand das Ganze dennoch befremdlich. Immerhin hat fast jeder Freunde und Familie in Morelia. Vom Symbolgehaltes des Anschlags mal abgesehen. Einige haben den Sarg mitgetragen und hinterher weiter gescherzt. Als Familie waere ich ausgerastet.
Auf dem Friedhof dann sind die Leute zur besseren Aussicht auf andere Graeber gestiegen oder haben die Gelegenheit genutzt, am Familiengrab Unkraut zu zupfen.
Wie soll man das Ganze nun einordnen. Vielleicht als Verdraengung. Vielleicht reflektieren sie solche Ereignisse ehr abends heimlich im Bett. Vielleicht hilft auch die stark religioese Einstellung hier. Zwar hat der Pfarrer auch ueber die Unmenschlichkeit des Anschlages gesprochen in der Kirche. Auf der anderen Seite gab es viele Lieder ueber den Aufstieg ins Himmelreich, Engel und das Paradis...Ich bin ja immer bisschen schlecht darauf zu sprechen, auf Erden zu leiden, nur weil es irgendwann angeblich mal besser werden soll.
Uns gegebueber wurde das Ganze kaum kommentiert. Allerdings hat sich meine deutsche Organisation IBG nach meinem Wohlbefinden erkundigt.
3 Kommentare:
vielleicht sind es einfach auch die berühmt berüchtigten kulturellen unterschiede, die trauer und der umgang damit einem westeuropäer supsekt aussehen lässt. vielleicht finden die ja nen mitteldeutsches begräbnis auch suspekt? don´t know.
lg. aus norge und ja, blogg wieder öfters, nicht erst wieder wenns nen anschlag gibt. :) irgendwie weiss ich nix über deine organisation und wie du dort wohnst. jede woche in ner anderen familie? wie wird gewohnt? kontakt mit den familien - gut? fragen über fragen ...
hey meine liebe, wir schicken tausend grüße aus mannheim und hoffe, dass es dir gut geht! wir freuen uns immer, von dir zu lesen!!! :) ein bisschen axe zum durchlüften dani
Hi, meine Große,
ja es gibt offenbar eine große Spannbreite von Verhaltsweisen und Philosophien des Lebens und auch des Todes. Man ist geneigt, die eigene Anschauung als die einzig wahre zu empfinden. Dem ist wohl nicht so, wobei auch alle anderen Sichtweisen keinen Anspruch auf alleinige Gültigkeit haben. Genug philosophiert --> Nimm' diese Erlebnisse als eine der vielen Erfahrungen einfach mit in Dein Leben und zur Kenntnis, ohne Deine eigene Einstellung massiv in Frage zu stellen.
Das Schweine-Bild ist Spitze! Wir haben am Wochenende auch solche Gesellen gesehen. (Die Überschrift Deines Beitrags ist übrigens makaber doppeldeutig und originell!)
Soweit so schnell:
Liebe Grüße von Mutti
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