
Liebe Leserschaft, Entschuldigung fuer meine Faulheit. Heute gibt es endlich wieder was zu lesen/kucken.
Heute ist Dia de la Independencia, zu deutsch Unabhaengigkeitstag in Mexiko! Schon die ganze letzte Woche haben die Schueler taeglich marschieren geuebt und zwar mit Pauken und Trompeten im wahrsten Sinne des Wortes. Jede Schule hat naemlich eine kleine Blaskapelle, die dann zu diversen zivilen Akten hier musisieren muss. Heute war dann grosser Aufmarsch in der Plaza mit saemtlichen Schulen des Ortes. Die Lehrer in Anzug, die Schueler in Schuluniform und manche auch in so einer Art militaerischen Uniform. Es wurde die Nationalhymne intoniert sowie marschiert und Gedichte rezitiert. Anschliessend sind wir durchs Dorf gezogen.

Ueberwacht wurde das Ganze von einigen Herren in Schwarz mit Maschinengewehr.
Dem 16. September geht immer die "noche libre", die freie NAcht Voraus. Zu diesem Anlass wird gegessen, natuerlich getrunken und auch sonst ist alles erlaubt. Zum Beispiel werden die Pistolen rausgeholt und (meist) zum Spass etwas rumgeballert. Leider (zumal im Suff) ereignen sich jedes JAhr auch Unfaelle. Heute musste in der Schule leider verkuendet werden, dass gestern Nacht eine Exkollegin erschossen wurde...

Das WE war dafuer sehr schoen. Ein Lehrer hat uns zu seiner Familie ins Dorf eingeladen. Grosser Pluspunkt schonmal: dort ist es wesentlich waermer. Waehrend die Maedels hier naemlich in Soeckchen und Rock marschieren, denke ich ueber den Erwerb von Handschuhen nach. Jedenfalls besitzt die Familie so ziemlich jedes Tier, was auf einen Bauernhof gehoert. Wir durften also melken ueben! Wer genau hinkuckt, erkennt das schmale Rinnsal, dass ich aus der Kuh rauspressen konnte. Naja, nach einer Weile ging es etwas besser.

Da uns auch etwas Kuhkacke mit in den Eimer gebroeslet ist, hoffe ich, dass die Milch ordentlich pasteurisiert wurde! War jedenfalls ein Spass. damit man nicht getreten wird, werden der Kuh uebrigens die Hinterbeine zusammen gebunden. Noch viel toller war: ich durfte reiten. Nicht so langweilig im Kreis herum sondern mit dem Pferd ins Feld hinaus. So zwischen Maisfeldern zu galoppieren mit Sonnenblumen und den Bergen des mexikanischen Hochlandes im Hintergrund.. Laesst sich schon leben so! Da nimmt man 2 Tage Muskelkater gern in Kauf. Ausserdem war wiedermal das ganze Festessen hausgemacht und auesserst koestlich und reichhaltig. Sonntags sind wir in die Kirche mitgegangen und ich habe mir das zweite Mal in meinem Leben einen katholischen Gottesdienst angeschaut. In Ermangelung einer Orgel wurde uebrigens mit Gitarre (verstimmt) und Triangel musiziert.

Ein Wermutstropfen ist, dass es selbst in der nettesten Familie vorkommt, dass einem zu fortgeschrittener Stunde froehlich mit "Heil Hitler" zugeprostet wird. Wir versuchen dann immmer, das Ganze klar zu stellen, aber so richtig versthehen sie es nicht.Ueberhaupt ist irgendiwe immer Fiesta. Erst letztens waren wir im Nachbardorf zu einem Heiligenfest. Es geht immer lustig zu. Verstehe nur nicht, dass die Mexikaner nicht alle taub sind. Das sie nicht nur auf Blasmusik stehen sondern auch auf Boeller Sprengklasse XXL, ist mir letztens fast das Trommelfell geplatzt.
Der Unterricht geht so lala. Deutschunterricht finde ich wenig sinnvoll. Ist einfach zu schwer und weniger nuetzlich als Englisch. Deshalb werden wir wohl auch mehr einen Kulturunterricht draus machen. Es gibt eben Schueler, die denken unserer Muttersprache sei Englisch, Deutschland in Amerika oder wir haetten keine Kuehe im Land. Also viel zu tun.

In Englisch haben wir letztens mit viel Erfolg Celine Dion "My heart will gon on" uebersetzt. Kam aeusserst gut an. Ueberhaupt wird hier schnulzige Musik favorisiert. Weshalb, und ich haette es nie gedacht, ich darueber nachdenke, ihnen mal Xavier Naidoo vorzuspielen. Hoelle, Hoelle, Hoelle, aber muss ja nicht meinen Geschmack repraesentieren. Der Unterricht ist hier eh etwas anders als haha zu meiner Zeit. Zum Beispiel lernen sie hier kochen und stellen Kaese im Unterricht her. Letzens habe ich hinten in einer Ecke des Klassenraums Milch pasteurisiert, waehrend die muchachos versucht haben, Wurzeln zu rechnen. Als Hintegrundmusik waehlte der Lehrer Eros Ramazotti..

Wie versprochen was uebers Essen. Grundpfeiler ist natuerlich Mais. Meistens als Tortilla, aber auch als Kolben gekcoht oder gegrillt. Die Tortilla wiederrum ist ein Fladen aus Maismehl, manchmal auch mit Weizen, oder eine Mischung. Wir haben letztens mal Tortillas gemacht und es sieht selbstverstaendlich einfacher aus als es ist. Die Mexikanische Hausfrau formt bliztschnell zwischen den Handflaechen schoene runde Tortillas und baeckt sie dann auf diesen runden Blechen. Unsere Produkte waren eher fransig und mit Loechern.Die Familie hat trotzdem tapfer mitgegessen.

Die Tortilla wir eigentlich stets zum Essen gereicht, auch zu Kartoffeln, Reis oder Pasta. Oder man verarbeitet sie zu einem eigenen Gericht durch Einlegen in Salsa, Braten, Rollen, Fritieren,..etc.Auf dem Dorf sind stets frische Tortillas zur Hand, eine Art Pressmaschine erleichtert gelegentlich die Herstellung.
Wir wechseln heute bestimmt wieder die Familie, bin mal gespannt. Bisher waren alle sehr nett. Nur die Philosophie beim Hausbau verstehe ich nicht. Es gibt wirklich manchmal grosszuegige Zimmer, schoen gefliesst -- nur auf eine Heizung wird komplett verzichtet.

Von meiner ersten Erkaeltung habe ich mich uebrigens gerade erholt. ;-) Trotzdem gibt es hier koestliches Eis in den zahlreichen Eisdielen.
Soviel fuer heute. Mir geht es gut, nur vermisse ich die Waerme ein bisschen. Deshalb werde ich Weihnachten nocheinmal in Richtung Hawaii aufbrechen und diesmal wahrscheinlich Maui etwas naehr unter die Lupe nehmen.
Besitos und Aloha,
la gallina feliz