Mittwoch, 24. Dezember 2008

Mele Kalikimaka!

Frohe Weihnachten! God Jul! Feliz Navidad! Joyeux Noel!
Bei den Meisten (die ich kenne)ist ja jetzt schon Weihnachten. Und daher wuensche ich euch alles Gute zum Fest der Liebe! Ha. Ich weiss, das viele von euch weit weg von ihrer Heimat wohnen. Ich wuensche euch also eine schoene Zeit mit Familie und alten Freunden, gemuetliche Plauderstunden und viel Zeit, die Fuesse hochzulegen.

Ich bin dieses Jahr am weiter weg von zu Hause als ich je war. Aber ich denke feste an euch und so richtig in Weihnachtsstimmung bin ich eigentlich gar nicht. Zu warm, zu viele Palmen.
Dennoch habe ich mir heute was Schoenes geschenkt: ein Surfbrett. Mit dem anderen konnte ich wirklich nichts reissen. Jetzt bin ich stolze Besitzerin eines kleinen second hand longboards! Direkt nach dem Kauf bin ich gleich in die Wellen gepaddelt und habe endlich ein paar Wellen bekommen! Tolles Gefuehl. Was die Actionbilder angeht, muss ich erstmal passen. Meistens ist eben keiner mit Kamera am Strand und ausserdem sind meine Kuenste ...aehh..bescheiden. Aber die naehcsten Tage sollen gross werden, da kann ich vielleicht mal ein Filmchen von den Koennern am Strand machen.
Nun gut. Frohe Weihnachten also, ihr wisst, dass ich an euch denke.

Aloha y cuidanse mucho,

Evita

Montag, 22. Dezember 2008

Aloha,

ihr Lieben! Endlich ein paar Zeilen aus meinem Winterquartier. Ich wohne also zur Zeit in der Naehe von Hilo in einem grossen Haus mit 4 Freunden, einem Hund und 4 Katzen. Letztere sind, wie man politisch korrekt hier so sagt, "mentally challenged". Besonders der dicke Thomas hat einen an der Klatsche, ist aber dennoch eine reizender Kater! Die Maedels und Jungs hier im Haus sind wirklich nett und lassen es auesserst gediegen angehen.Ich habe zwei Bilder mit Blick von meiner Terasse mit reingestellt. Nicht zu uebel, oder? Man muss zugeben, dass hier aber Winter, sprich Regenzeit ist. Um so mehr auf dieser Seite der Insel.Nunja, bei mindestens 20C (Celsius muss man ja dazusagen..) und frischen Bananen aus dem Garten will ich nicht klagen. Ueberhaupt sind die Jungs hier sehr fleissig im Garten und so konnten wie schon wuerziges Pesto mit jeder Menge frischem Basilikum machen. Ansonsten binb ich sehr froh, wieder mehr ueber meinen Speiseplan bestimmen zu koennen. Die mexikanische Kueche ist sehr lecker, das mich bitte keiner falsch versteht. Zumal ich ja fast nur frische, hausgemachte Koestlichkeiten geniessen durfte. Trotzdem ist es angenehm, die Zuckerzufuhr wieder auf ein normales Mass zu reduzieren und ebenso den Fleischkonsum. Mein Haemoglobin ist wahrscheinlich noch fuer die naechsten Jahre eher an der oberen Grenze anzutreffen ;-)
Der Kulturschock macht sich schon etwas bemerkbar. Ich entspanne hier wieder etwas. In Mexico musste ich doch immer auf meine Aussenwirkung und soziale Auswirkungen meiner Auesserungen und meines Tuns achten.Ist ja nicht so, dass ich mich normalerweise wie die Axt im Walde benehmen wuerde. Aber in Mexico gelten einfach sehr unterschiedliche Normen. Hier kann ich mich wieder in meinem gewohnten Rahmen bewegen. Das tut sehr gut. Gut tur auch, wieder weniger Klamotten anziehen zu muessen. Shirt und Shorts reichen meist, abends oder nach dem Surfen auch mal nen Pulli.
Apropos Surfen. Diesmal faellt es mir wesentlich schwerer als im Sommer. Die Wellen sind fuer meine Verhaeltnisse recht gross, die locals sehen das natuerlich anders,haha. Ausserdem kommen sie nicht so schoen gleichmaessig rein sondern fuer mich sieht es aus wie eine grosse Suppe, in der jemand wild rumquirlt. Die erste Herausforderung ist also, erstmal ins line up zu kommen (das ist dort, wo alle hocken und auf die Wellen warten). Da ich kein kleines Brett habe, kann ich nicht gut durch die Wellen durchtauchen. Ich hoffe meistens, das sie mir nicht genau ins Gesicht brechen. Mal so gesprochen. Also habe ich bisher mehr rungepaddelt und mich mit meinem Brett vertraut gemacht. Es ist etwas kleiner als im Sommer und damit etwas instabiler.Unser Strand heisst Honolii und die Leute sind freundlich. Das ist von grossem Vorteil, wenn man manchmal sein Brett noch nicht komplett unter Kontrolle hat. Verletzungen sind fast ausgeblieben bisher, wenn man mal von ein paar Prellungen, Schuerfungen und Schnitten in den Fuessen absieht. Dank meiner Hausapotheke hab ich es glaub ich ganz gut im Griff.
Schoen ist auf jeden Fall, wenn man auf dem Brett sitzt, und die Schildkroeten beobachten kann.:-)
Liebe Freunde, ich werde jetzt ein staerkendes Fruehstueck einnehmen und dann mein Gleuck erneut in den Wellen suchen.
Ganz liebe Weihnachtsgruesse und much Aloha,

Evita

Tambien muchos saludos a Michoacan y Chipas. Cuidanse mucho!

Montag, 15. Dezember 2008

Aloha..

..bin wieder auf Big Island gut angekommen. War eine lange Reise, die 4 Flughaefen und eine Flugverspaetung beinhaltete. Hier regnet es gerade und so kann ich in aller Ruhe meinen jet lag auskurieren. Diesmal werde ich keine Mangosaison mitnehmen, dafuer kommen gerade die Wale an. Da bin ich mal sehr gespannt.
Freu mich schon aufs Surfen.
Ganz liebe Gruesse und much Aloha,

Evita

Samstag, 13. Dezember 2008

Janz schnell

bin gerade in LA und starte nachher nach Honolulu durch. Alles gut, auch wenn mich die Fragerei immer nervt. Paranoia sag ich nur.
Liebe Gruesse und Aloha,

Evita

Montag, 8. Dezember 2008

The butterfly effect

Haha, vielleicht sollte ich oefter mal Filme ohne Erklaerung reinstellen und zur Deutung freigeben. Was da rumflattert ist jedenfalls nicht Herbstlaub sondern die maripositas monarcas. Am Wochenende haben wir die legendaeren Monarchfalter besucht. Es handelt sich um die Extremsportler unter den Wanderfaltern. Im Rahmen ihres ausgekluegelten Lebenszyklus wandert jedes Jahr eine riesige Population von Kanada und den USA in eben jenes Refugium in Michocan.Auf ueber 3500 m Hoehe rasten die Tiere und starten einen neuen Fortpflanzungszyklus, viele sterben aber auch und bedecken den Waldboden.Was auf dem 2. Bild wie braune Aeste aussieht, sind Trauben von Schmetterlingen. Mit zusammengeklappten Fluegeln sehen sie eben braun aus. Wenn es morgens warm wird, fliegen sie zu hunderten durch die Gegend. Ein beieindruckendes Schauspiel, zumal man die vielen Fluegel flattern hoert. Man fuehlt sich wie in einem Disneymaerchenfilm. Fehlt nur, dass ein rueschenbestrumpftes Maedchen mit einem pinken Sommerkleid froehlich singend vorbeihuepft. Die Schmetterlinge stellen einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in den angrenzenden Bergdoerfern dar. Ich denke, das traegt dazu bei, dass sie die Tiere zu schuetzen versuchen. Die Rastplaetze der Kolonie werden absperrt und es gibt viele Infotafeln.Wenn die Schmetterlinge naemlich nicht mehr kommen, hat es sich auch mit den Touristen ausgespielt.
Ansonsten verlasse ich Mexico am Samstag Richtung Hawaii. Ich freue mich riesig aufs entspannte Inselleben und das Surfen. Nicht dass ich hier Stress haette, aber manche Mexicaner koennen einem gelegentlich den Nerv rauben. Momentan habe ich nicht die Ruhe zu einem reflektierten Abschlussbericht. Kommt spaeter. Vor dem Abflug werde ich noch 2 Tage bei einer Freundin in DF (Mexico City) unterschluepfen.Am 12. Dezember ist ein weiterer wichtiger Feiertag: unglaublich viele Menschen werden zur Basilika pilgern um der Virgen de Guadelupe zu huldigen. Soll recht beeindruckend sein. Leider muss ich sagen, dass ich seit den Anschlaegen in Morelia nicht viel Lust verspuere, mich in grosse Menschenmassen zu begeben. Man weiss ja nicht, was in den Terroristenkoepfen so vor sich geht.Also werde ich wohl ein paar Kulturhaeppchen mitnehmen stattdessen.
Heute werden wir versuchen,Plaetzchen zu backen. Mit den hiesig erhaeltlichen Gewuerzen kann es lieder nur eine schwache Kopie deutscher Weihnachtsbackkunst werden.Ich denke aber, die Beschenkten werden sich ueber die Geste freuen.
Ich wuensch euch allen eine schoene Vorweihnachtszeit!

Alles Liebe,

Evita

Mittwoch, 12. November 2008

Vamos a la playa!

Ich hatte es ja schon angekuendigt: letztes WE sind wir aufgebrochen, um die Straende Michoachacans zu erkunden. Und es war ein herrliches, entspanntes Wochenende! Morgens um sind wir mit 2 Freunden im Pickup aufgebrochen. Hier im Hochland (3000m) ist es ja ziemlich frisch und so sassen 2 von uns dick eingepackt und bis zur Nasenspitze in viele Decken gehuellt hinten auf der Ladeflaeche. Wie schon in Hawaii ist das meine Lieblingsart zu reisen. Man kann wahlweise die Sterne oder die Sonne sehen, den Wind spueren und man merkt auch, wie sich die Luft langsam veraendert und man dem Meer naeher kommt.Es war ein bisschen wie bei Peterchens Mondfahrt, nur das der ja wohl in seinem Gitterbettchen sass.
In bitterer Kaelte sind wir losgefahren und morgens bei strahlender Sonne in der playa azul angekommen. Mexico ist ebenso wie Hawaii geographisch auesserst vielfaletig, nur dass man hier laengere Wege zuruecklegen muss.
Wie immer im Pazifik war etwas Vorsicht mit den Wellen geboten. Hier gibt es zudem viele Leute, die gar nicht schwimmen koennen.
Den Tag haben wir sehr gediegen an verschiedenen Straenden verbracht und abend einen frischen, koestlich gebratenen huachinangoo (Rotbarsch) verspeist. Anschliessend haben wir unser Zelt ungelogen 15 Schritte vom Strand aufgeschlagen. Viele Straende hier bestehen aus sehr feinem Sand. Deshalb kommen die Schildkroeten (gerade ist es soweit) an Land, um ihre Eier zu verbuddeln. Direkt nebem dem Zelt hockte ein grosses Exemplar und hat Eier abgelegt.So spannend wie das ist, denke ich doch, dass man die Straende irgendwie sperren muesste fuer die Zeit der Eiablage. Oder zumindest Camping nur in bestimmten Gebieten gestatten sollte. Die armen Tiere wissen ja gar nicht wohin und ausserdem schrecken sie natuerlich Laerm und Licht. Und leider leider ist es auch verbreitet, die Eier zwecks Verzehr zu stehlen....
Am naechsten Tag haben wir noch mehr Straende erkundet und in der Bucht von Caleta war ich kraeftig bodysurfen. Der Pickup war unser treuer Begleiter und hat nicht nur uns sondern auch die Gitarre und die Kuehlbox (Eiswuerfel und Tequila..)beherbergt.
Spaet in der Nacht sind wir mit viel Sonne im Herzen und schoenen Erinnerungen an die Kueste Michoacans heimgekehrt.
Hay una cancion que se llama "Que lindo es Michoacan" y hay que decir que es cierto. Tambien, muchas gracias a nuestros amigos M. y M. para acompañarnos y mostrarnos su pais querido. Ese fin de semana fue de toda madre!

Bis bald. Liebe Gruesse an euch alle!
Eva

Montag, 3. November 2008

Totentanz

Hallo, ihr Lieben. Ich bitte die kuerzliche Schreibfaulheit zu entschuldigen. Was gibt es also zu erzaehlen? Ich hatte das Glueck, zu einem der wichtigsten Feiertage hier zu sein: dem Dia de los muertos. Bei uns ist es irgendein trauriger Feiertag, an dem ich mich im Grunde nur freue, nicht zur Arbeit zu gehen. Hier ist es ein geselliges und recht froehliches Ereignis. Die Grundidee ist, dass an diesem Tag die Seelen der Verstorbenen die Familie aus dem Jenseits besuchen kommen.Eigentlich sind es 2 Tage. Der 1. November fuer die angelitos (Engelchen d.h. Kinder) und der 2. November fuer die Erwachsenen. Je nach Gegend und Dorf sind dann auch die Braeuche sehr verschieden. Hier in Nahuatzen legen sich die Menschen richtig ins Zeug. Die Graeber werden sehr aufwendig und kunstvoll mit Blumen, Gestecken und Kerzen geschmueckt. Beliebte Farben sind rot, lila, orange, viel weiss und gelb. Vorherrschende Blumen Gladiolen, Astern, und Tagetes. Letztere riechen sehr stark und werden wie Kiefernnadeln auch grosszuegig auf den Weg zum Grab gestreut. Abends und am 2. November auch mittags wird den Verstorbenen ihr Lieblingsessen dargebracht. Hauefig sind das also Tortillas, Tamales, Huehnchen mit mole, Fruechte, Suesses...Es werden in diesen Tagen Totenbroetchen, kleine und grosse Totenkoepfe und Saerge aus Zucker, Totenkopflollies, Skelettgirlanden uvm verkauft.Bei uns in der Schule gab es zwischen den Klassen einen Wettbewerb in der Gestaltung des schoensten Grabes. Und einige sind wirklich sehr schoen und phantasievoll geworden. Wir sind am ersten Abend auf den Friedhof eingeladen worden. Wer jetzt denkt, dass das gruselig ist, der irrt. Wie koennte es auch. Wurden doch ein paar kraeftige Flutlichter installiert, Lagerfeuer entzuendet und die Stereoanlag weit aufgedreht. Noch beeindruckender war aber der folgende Sonntagmittag. Wir waren also zum Mittagessen auf dem Friedhof eingeladen. Was soll ich sagen - es war Volksfeststimmung. Auf den Grabsteinen standen grosse Toepfe mit mole und Fruechtekoerbe und die Familien sassen zum Essen zusammen.Die Kinder hatten Boeller mit, die Dorfjugend six packs mit Bier, Spielzeug wurde verkauft. Und es gab auch eine Band, die fuer ein paar Pesos am aufgespielt hat. Fuer unsereinen etwas befremdlich, denn immerhin sind wir zwischen Grabhuegeln umhergeschlendert und haben Sosse auf irgendwelche Grabsteine gekleckert. Das ganze Dorf war da und die Stimmung sehr ausgelassen. Zwischendrin haben die Familien auch gebetet und fuer ihre Verstorbenen gesungen. Ich habe mich mit Fotos zurueckgehalten, da es mir doch bei aller Froehlichkeit als etwas recht persoenliches und familiaeres erscheint.
Das Wochenende davor waren wir in Tingambato und haben eine kleine, aber sehr feine Pyramide besichtigt. Ausserdem habe ich euch ein Foto von einer formschoenen Frucht mitgebracht. Sie heisst hier Lima und ist irgendeine Zitrusfrucht, die sehr aromatisch schmeckt.Ansonsten kommt gerade wieder etwas Schwung in mein Leben. Gott sei Dank sozusagen, denn wir haben den Padre des Dorfes kennengelernt. Seines Zeichens nicht nur Kirchenmann sondern auch Geologe! Er geniesst grosses Ansehen hier weil er unter anderem mit seinem Hubschrauber nach Trinkwasserquellen sucht. Gestern waren wir mit ihm und der ganzen Schule auf einem Vulkan (3300m). Morgens um 5 (!) sind wir aufgebrochen und nach sehr beschwerlicher, weil sehr steiler, Wanderung um 9 angekommen. Der Ausblick war herrlich und der vulkanische Ursprung der Tierra fria laesst sich bestens erkennen.Wie lauter Menschaergerdichmaennchen stehen die alten Vulkane in der Gegend herum. Meine Fuesse haben ein wenig Schaden gelitten, aber die Wanderung war toll und hat sich gelohnt.
Heute haben wir noch eine Theologiestudenten kennengelernt, den sie nach Innsbruck (!) versetzen werden. Coole Sache das, und wir werden ihn in Deutsch unterrichten. Ein lustiger, untypischer (?) Padre uebrigens. Nicht nur hat er ein Motorrad und raucht ziemlich viel. Zudem hat er Poster von Che Guevara und Emiliano Zapata im Zimmer haengen. Die Zapatisten sind ueberhaupt eine interessante Bewegung. Weiterer Lichtblick: ich habe jetzt einen Arzt im Englischkurs.
Er will sich auf Chirurgie spezialisieren und muss daher ein wenig Fachenglisch lernen. Wie der Zufall manchmal so spielt. Ich finde es sehr angenehm, sich endlich mal ueber mehr als das Wetter zu unterhalten. Morgen fahren wir mit ihm und einem Cousin and die Kueste. Juchu! Die anderen Freiwilligen fahren, glaube ich, oefter nach Morelia, um sich zu treffen. Ich finde, wir haben mit "unseren Leuten" in Nahuatzen viel Glueck. Sie sind sehr freundlich und laden uns immer zu allerlei Fiestas ein.So haben wir schon eine ganze Menge von Michoacan gesehen und auch gehoert. Wie gesagt, morgen geht es ans Meer und im Auto und mit Einheimischen ist es natuerlich viel lustiger als im Bus.
Euch allen ein schoenes Wochenende und liebe Gruesse,

Eva

Dienstag, 21. Oktober 2008

Just for fun

Hat rein gar nichts mit Mexico zu tun. Aber vielleicht koennt ihr drueber lachen, ich finde die zwei Buben aus Neuseeland witzig.



Hasta luego!

Montag, 20. Oktober 2008

Tierra caliente - es wird heissssss

Liebe Familie und Freunde, ich melde mich zureuck aus einem herrlichen Wochenende. Meine sonnenhungrige Seele hat aufgetankt, und zwar in der Tierra Caliente. Das heisst soviel wie "heisse Erde" und macht seinem Namen alle Ehre. Schon vom puren Nichtstund rann mir der Schweiss aus den Poren. Die Reise dauerte ein paar Stunden aber trotzdem ist es seltsam von 3000m auf fast Meeresspiegel runterzufahren. Eine Lehrerin hatte uns in ihr Dorf eingeladen, eigentlich ein rancho. Ein rancho ist eine kleine Siedlung, die ein paar Fahrminuten vom eigentlichen Dorf entfernt liegt. Die Leute sind dann meistens in vielen Dingen Selbstversorger und zumindest um einige Tage auszuspannen ist es herrlich! Es gibt immer allerlei Tiere und so weiss man immer, wo Fleisch, Milch und Kaese herstammen. Letztes Mal haben sie einen Truthahn fuer uns geschlachtet, diesmal musste ein Hahn sein Leben lassen. War schon lustig zu beobachten, wie die halbwuechsigen Soehne des Hauses genauso aufgeregt waren wie die halbwuechsigen Hunde. Das Flattervieh hat der Flinte naemlich eine ganze Weile ein Schnippchen geschlagen, konnte aber sein Schicksal dann doch nicht abwenden. War dann auch eine sehr leckere Suppe..
Die Tierra caliente ist im Prinzip die Landschaft, die ich mir fuer Mexico so vorgestellt habe. Manchmal ist es eben auch schoen, ein Klischee bestaetigt zu sehen. Die Sonne brennt heiss auf die Huegel und Berge und es wachsen stacheliges Gestraeuch und verschiedenste Kakteen.Sieht besonders gut aus, wenn sich dann die grossen Greifvoegel darauf niederlassen. Selbstverstaendlich fehlen auch die Esel nicht. Ansonsten gibt es viele bunte Schmetterlinge, so eine Art Murmeltier, eine Spezialsorte Hasen, Cojoten und allerlei Reptilien. Die sind bei der Hizte leider immer zu schnell fuer Fotos.Wie auf den Fotos zu sehen, haben wir ein wenig Erfrischung im Fluss und im See gesucht. Der Fluss ist nur schlammig wegen einiger Regenfaelle, aber an sich nicht schmutzig. Die Badebekleidung der Wahl bestand in diesem Fall fuer Frauen aus Shorts und T-Shirt. In dem See mit den herrlichen Bergen ringsrum rumzuduempeln war ein tolles Gefuehl.Die Landschaft ist wunderschoen und weit.
Das Bild ganz unten stammt vom letzten WE und ist hier in der Naehe in Tzintzuntzan. Das heisst "Ort der Kolibiris", wenn ich auch leider keinen einzigen da gesehen habe...Jedenfalls ist es eine Pyramidenstaette der Tarasken hier. Die Tarasken sind ein indigenes Volk und rings um Nahuatzen wird in vielen Doerfern ihre Sprache Purepecha gesprochen. Hat mit Spanisch rein gar nichts zu tun. Es gibt sogar Schueler in der Schule, die fast kein Spanisch sondern nur Purepecha koennen.
Ansonsten waren wir am Samstag noch kurz im Freiwilligenhaus in Morelia und haben den Erfahrungen einiger anderer Freiwilliger gelauscht. Und da muss ich sagen, wir haben es hier gut getroffen.Eine wohnt z.B in einer Drogenhochburg in der Tierra Caliente. Dort ist regelmaessig Militaer zugegen und man kann abends auch nicht auf die Strasse gehen. Als wir in mit dem Bus in der Tierra Caliente unterwegs waren, haben auch ein paar Herren mit Maschinengewehren den Bus durchsucht. War alles ganz gediegen, muss es aber nicht sein. das Problem in hier ist, das Polizei und Militaer nicht grundsetzlich Freund und Helfer sind, sondern durchaus Willkuer an den Tag legen. Ansonsten sind sie hier in der Tierra Fria auf die Leute in der Tierra Caliente nicht ganz so gut zu sprechen. Weil sie eben durch Drogenhandel und -anbau sehr gut verdienen.Und weil man ihnen nachsagt, dass sie recht heissbleutig sind und schnell mal die Pistole ziehen. "La vida vale nada" - das Leben ist nichts wert.
Eine Freiwillige stand beim Attentat in Morelia auch mitten im Geschehen und hat noch Probleme mit den Ohren wegen dem Knall. Ich muss sagen, dass ich wirklich froh bin, dass ich weit weg war. Sich im Ausland noch mit Aerzten und anschliessend er Krankenversicherung rumzuschlagen, ist wirklich kein Spass.
Wir werden jedenfalls von unseren Familien ruehrend betreut und so gut zu essen bekomme ich bestimmt erst wieder......naja, bei meiner eigenen Mutti. Lediglich der Bikini sitzt jetzt etwas straff.
In diesem Sinne. Meinem Freund M in Norge rufe ich zu: ab jetzt lasse ich den Loeffel Sahne nach dem Essen weg. :-)

Besitos an alle und natuerlich jede Menge Aloha,

Eva

Freitag, 10. Oktober 2008

Koerner, die die Welt bedeuten

Willkommen zu Hause an den Bildschirmen! WIr waren letztens mal wieder elotes (Maiskolben) essen und daher stelle ich euch heute ein paar farblich beeindruckende Variationen vor. Ich bin auch gerade zur richtigen Jahreszeit da, denn frisch geerntet wir natuerlich nur im Herbst.
Meine Grosseltern haben ja gefragt, was in der Schule so "abgeht" und ich werde etwas berichten. Unsere Schule hat ca 300 Schueler von 15 bis 19 Jahren. Es ist eine sog. "Prepa", d.h. danach sind sie praepariert fuer die Uni. Zumindest ist das das Ziel. Einige scheiden auch schon frueher durch Heirat und Kinder aus; durchaus schon mit 15 Jahren!
Wie so viele Dinge in Mexico, birgt auch die Schule fuer mich einige Widersprueche. So haben sie zum Beispiel einen Klassensatz an Computern. Auf der anderen Seite tropft es einem beim Unterrichten schon mal auf den Kopf (viele Haeuser haben undichte Decken), es fehlen Fensterscheiben und Heizung gibt es auch keine. Ich hatte ja schon erwaehnt, dass Nauhatzen fuer "Ort des Eises" steht, oder? Ich weiss also nicht, wie die Jungs und Maedels hier im November mit angefrorenen Fingern schreiben wollen. Was ich richtig schlimm finde, sind die Vorschriften zur Schuluniform. Die Maedchen duerden nur 1-2x/Woche im Trainingsanzug kommen und sonst muessen sie Rock tragen. Auch im Winter, was wirklich gesundheitsschaedlich ist hier. Fuer meinen Englischunterricht nachmittags habe ich ca 6 feste Schueler, die fast immer kommen. So kann ich ein wenig Kontinuitaet reinbringen. Manchmal denke ich auch, wir kommen voran. Dann wieder koennen sie keinen simplen Satz zusammenbasteln. Naja. Apropos basteln. Diese Woche waren einige Kindergaerten zu Besuch und wir haben mit den niños gebastelt. Im Rahmen der Vorbreitung dazu habe ich mich ein wenig in die Papierfaltkunst Origami eingarbeitet. Nun kann ich fast im Schlaf Schmetterlinge, Karnickel, Kraniche und Herzen/Sterne/Brezeln falten. Ich denke, ich werde das fuer ein paar Weihnachtsbastelstunden noch verfeinern. Ich muss zugeben, dass ich gedanklich schon zu Weihnachten am Strand sitze. Ist reichlich frueh, aber hier passiert einfach nicht viel, auch wenn die Leute alle wirklich nett sind. Auswanderungsphantasien fuer Mexico hege ich allerdings eben nicht. Und schnief, manchmal haette ich gern meine Ruhe und wuerde niemanden sehen, aber geht nicht. Alleine spazieren gehen wird allgemein nicht empfohlen und dann werde ich mich zur Abwechslung auch dran halten. Wenn ich abends im Bett liege, freue ich mich schon auf Hawaii, wo es schoen warm ist. Bloed nur, dass ich zur besten Regenzeit in Hilo sein werde..In dem Haus, wo wir gerade wohnen, ist die beste Dusche, die ich bisher hatte. Man stellt sich in einen Bottich und bekippt sich den Ruecken mittels einen kleinen Eimerchens mit Wasser. Herrlich. So aehnlich stelle ich mir das in diesen Norwegerhuetten vor - nur das es hier immer so ist.
Die Arbeitsweise hier (ich kann ja nur fuer die Schule sprechen)ist fuer mich auch in einigen Aspekten gewoehnungsbeduerftig. Ich fand es zB schade, dass wir nicht detailliertere Infos fuer diese Bastelstrasse fuer die Kids bekommen haben. Wenn man alles mit etwas Weitblick vorbereitet, haben alle Beteiligten mehr Spass und es liesse sich Stress vermeiden. Das ist, glaube ich, der entscheidende Punkt hier. Material und Infrastruktur ist durchaus gegeben. Man koennte nur wesentlich mehr rausholen mit meh Planung. Soweit mein deutscher Standpunkt dazu.
Mein Spanisch reicht inzwischen fuer die taeglichen Gespraeche bei Tisch. Ich aergere mich selbst, dass ich nicht abends noch immer mal ein paar mehr Vokabeln nachschlage. Aber irgendwie bin ich schon so geasaettigt vom Tag - ich befinde mich ja sozusagen in einem 24-Sprachkurs. Naja- so ist (wuerde mein Capoeira-Trainer sagen).


Besitos und Aloha (haha, ich hab mir schon ein Surfbrett sciherstellen lassen fuer Big Island),

Eva

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Schwein am Spiess

Liebe Freunde,
Was hat sich so zugetragen? Letztes WE waren wir wiedermal auf einer Kirchenfiesta, diesmal in San Juan Nuevo. Erinnert ihr euch an die Kirche mitten in der Lava? In besagtes Doerfchen wurden die Dorfbwewohner umgesiedelt. Und nun gibt es jedes Jahr ein fest um den Dorfpatron gnaedig zu stimmen. In der Kirche sah es ein wenig aus wie in der Rentnerdisko, den der Brauch fordert es, dass man sich mit jew 3 Schritten nach vorn und 2 zurueck dem Altar naehert. Wenn die Leute das rhythmisch machen, sieht es aus als ob sie in der Kirche tanzen.Ich bin immer wieder fasziniert von der tiefen Glaeubigkeit hier.Die Teenager sehen eigentlich recht westlich aus: lackierte Naegel, Piercings, gefaerbte Haare, Jeans, Haargel, was weiss ich. Um so mehr erstaunt es mich dann, wenn eine Maedchen (moeglichst noch bauchfrei) auf Knien an mir vorbei in Richtung Altar rutscht. Der abgebildete Jesus ist uebrigens nicht aus der Kirche sondern so sehen hier die Kalender aus, die die Firmen zu Werbezwecken verschenken. In jedem Zimmer eines Hauses hier haengen mindestens ein bis zwei Bilder oder Kreuze. Oefter sitzen auch kleine Jesuskindpuppen mit weissen Wollstricksachen herum. Ich finde immer, dass besonders die Jesuse am Kreuz nicht fuer besondes heitere Stimmung sorgen. Aber ist wohl auch nicht unbedingt so gedacht.
Das jetzige WE waren wir wieder in waermeren Gefilden. Reiten, essen, nichts tun. Bitte seht selbst im Foto, warum man mich nur noch “das Cowgirl” nennt.
Das Schwein aus dem lezten Beitrag ist inzwischen 9fache Mutter. Ich wollte ein Foto mit einem Ferkelchen schiessen. Sie sind wirklich putzig und glaenzen als waeren ihre Borsten aus Seide. Der Wicht hat aber gebruellt, als ob ich ihn dirket abstechen wollte und gezappelt hat er auch als ginge es ihm an den roas Kragen. Ich kann das beurteilen, denn genau das hat sich neulich im Nebenhaus geschehen. Schoen ist das Gebruell nicht, aber es erhoeht enorm den Respekt vor einem Steak auf dem Teller…So wird mir der Kreislauf des Lebens vor Augen gefuehrt.
Nun moechte ich kurz ueber einen kulturellen Unterschied reflektieren. Mir scheint, dass Beschaeftigung alleine hier nicht besonders populaer ist. Das ist fuer mich manchmal recht anstrengend, denn man muss eigentlich staendig praesent sein und sich ggf in der Gruppe langweilen. Mal alleine im Zimmer sitzen, alleine lesen oder spazieren gehen ist irgendwie schwierig. Gleich denken sie immer man fuehle sich unwohl, haette schlechte Laune oder waere traurig. Eigentlich hocken die Familien immer beieinander.
Es kam ja die Frage nach unserer Unterbringung auf. Wir wohnen bereits in der 5ten Familie, weil wir jede Woche weiterziehen. das ist insofern sehr interessant, als das wir viele verschiedene Lebensweisen kennenlernen. Ich beurteile die Zimmer inzwischen nach Temperatur, ob es warmes Duschwasser gibt und ob ich mit A. ein Bett teile oder ein eigens habe. Sie klaut mir immer die Decke und aus Platzmangel hab ich mir letzens den Arm verrenkt. Die Familien sind alle sehr nett und wir plaudern immer ueber Deutschland und die Unterschiede zu Mexico. Immer ein Thema sind die USA, denn jede Familie hat einige Mitglieder, die in den Staaten arbeiten. Die ueberwiegende Mehrheit natuerlich illegal, die meisten sind in Californien, Texas oder Illinois (Chicago).Die Millionen illegalen Mexikaner sind fester (trauriger) Bestandteil der amerikanischen Wirtschaft. Dadurch, dass sie illegal sind, kommen einige jahrelang nicht nach Hause zurueck. Viele Familien sehen den Vater ewig nicht. Und es gibt auch Eltern, die ihre Kinder bei den Grosseltern in Mexiko zuruecklassen. Die illegale Einwanderung ist nicht ohne Gefahr und es muessen sog. Cojoten fuer ihre Schleuserdienste bezahlt werden. Ich finde es schon sehr traurig, aber das Geld scheint zu locken. Aehnlich wie mit den Tuerken in Deutschland, ist die Integration haeufig maessig. So kommt es, dass die Mexikaner auch nach Jahrzehnten mitunter kaum englisch sprechen. Im Dorf kann man an der Groesse des Hauses meist ganz gut ablesen, wer ein Familienmitglied in den Estados hat.
Ja, da fuehle ich mich manchmal auch beschaemt, dass ich quasi zum Spass durch die Weltgeschichte reise.

Wir werden wohl dieses WE mal versuchen einen deutschen Apfelkuchen zu backen.


Viele liebe Gruesse,

la gallina feliz

Donnerstag, 25. September 2008

Fuer meine Mutti

gibt es heute nachtraeglich ein mexikanisch Musikschmankerl. Mit einem kleinen Augenzwinkern, aber die Melodie ist mir tatsaechlich ins Ohr gegangen. Der Herr ist keineswegs von gestern sondern ein beliebter zeitgenoessischer Musikant. Ich kann die meisten Lieder inzwischen sogar grob vom Inhalt verstehen. Gut, das Vokabular wiederholt sich. Meistens geht es um Liebe, gebrochene Herzen und leidende Maennerseelen.
Die abuelita (etwa: Omachen) einer Familie hat uns letztens erzaehlt, dass die mexikanischen Maenner nervig und laestig sind. Haha.
Viel Spass beim Mitsingen und einen Extragruss an meine liebe Mutti,

la galina feliz

Freitag, 19. September 2008

Nochmal zur Schweinerei in Morelia

Ja, wie hat das Umfeld hier reagiert?
Ich will mal meine Eindruecke schildern, denn die kulturellen Gepflogenheiten sind eben verschieden.Wir sind gestern mit den Lehrern zusammen zur Beerdigung der Lehrerin gefahren, die im gleichen Schulverbund gearbeitet hat.
Ich empfand es von der Stimmung her eher wie einen Betriebsausflug, es wurde gescherzt und gelacht. Wir haben dann in/vor der Kirche am Gottesdienst teilgenommen und sind dann zur Beisetzung gefahren. Ich fand die Stimmung erstaunlich, denn es wurde ja ein Anschlagsopfer zu Grabe getragen. Es gab natuerlich weinende Menschen in schwarzer Kleidung. Ebenso erschienen allerdings Leute in Fussballtrikos, bunter Kleidung und die Gespraeche reichten ueber Partyerlebnisse bis Kochrezepte. Ich selbst kannte die Verstorbene ja auch nicht, fand das Ganze dennoch befremdlich. Immerhin hat fast jeder Freunde und Familie in Morelia. Vom Symbolgehaltes des Anschlags mal abgesehen. Einige haben den Sarg mitgetragen und hinterher weiter gescherzt. Als Familie waere ich ausgerastet.
Auf dem Friedhof dann sind die Leute zur besseren Aussicht auf andere Graeber gestiegen oder haben die Gelegenheit genutzt, am Familiengrab Unkraut zu zupfen.
Wie soll man das Ganze nun einordnen. Vielleicht als Verdraengung. Vielleicht reflektieren sie solche Ereignisse ehr abends heimlich im Bett. Vielleicht hilft auch die stark religioese Einstellung hier. Zwar hat der Pfarrer auch ueber die Unmenschlichkeit des Anschlages gesprochen in der Kirche. Auf der anderen Seite gab es viele Lieder ueber den Aufstieg ins Himmelreich, Engel und das Paradis...Ich bin ja immer bisschen schlecht darauf zu sprechen, auf Erden zu leiden, nur weil es irgendwann angeblich mal besser werden soll.
Uns gegebueber wurde das Ganze kaum kommentiert. Allerdings hat sich meine deutsche Organisation IBG nach meinem Wohlbefinden erkundigt.

Mittwoch, 17. September 2008

Feiger Anschlag

Liebe Familie und Freunde,

bringt ja nix, ich muss mich kurz zu den Geschehnissen am Unabhaengigkeitstag hier aeussern.
Zuerst: es geht mir gut! Wir waren ja auch nicht in Morelia sondern in einem kleinen Dorf. Ich weiss gar nicht, wieviel ihr gehoert habt, aber hier ein link:
http://www.tagesschau.de/ausland/morelia104.html


Zudem muss ich eine Notiz von gestern korriegieren. Die Schulkollegin (nicht unsere Schule, aber gleicher Verbund)wurde also nicht versehentlich erschossen sondern ist eines der Opfer des feigen Granatenanschlages auf die Zivilbevoelkerung im Zentrum Morelias waehrend der Feierlichkeiten. Der Unterricht wird heute suspendiert, da die Lehrer auf die Beerdigung fahren.
Michoacan (also der Bundesstaat in dem ich mich befinde) ist ein wichtiger Drogenumschlagspaltz in Mexico. Das ist bekannt, aber normalerweise bekriegen sich die Drogenkartelle untereinander. Ist ja normal und wahrscheinlich in Deutschland das Gleiche. Die schockierende neue Dimension des Vorfalls in Morelia ist, dass es sich erstmals um einen gezielten Anschlag auf die Zivilbevoelkerung handelt. Ziel ist wohl, der Regierung eine klare Botschaft ueber die Machtverhaeltnisse im Land zu senden. Und dass am wichtigsten Volksfeiertag Mexicos, denn eigentlich sind sie fast alle gluehende Patrioten.
Ich muss sagen, dass ich sehr schockiert bin. Ich habe 3 Wochen in Morelia gewohnt und war fast taeglich auf der Plaza, wo der Anschlag veruebt wurde. Ausserdem wohnen Bekannte in der Stadt. Ein sehr komisches Gefuehl.
Dennoch habe ich hier keine Angst und mir geht es gut. Also nocheinmal die Bitte: keine Sorgen machen.
Es ist wie mit allen Anschlaegen, kleine Doerfer sind uninteressant.

Das war wieder mal eine Demonstration, wie schnell alles vorbei sein kann. Deshalb: tut euch immer mal was Gutes und arbeitet nicht zuviel.

Ich hoffe, euch geht es auch allen gut! Ich denke stets an euch.

la gallina feliz

Dienstag, 16. September 2008

Viva Mexico!

Liebe Leserschaft, Entschuldigung fuer meine Faulheit. Heute gibt es endlich wieder was zu lesen/kucken.
Heute ist Dia de la Independencia, zu deutsch Unabhaengigkeitstag in Mexiko! Schon die ganze letzte Woche haben die Schueler taeglich marschieren geuebt und zwar mit Pauken und Trompeten im wahrsten Sinne des Wortes. Jede Schule hat naemlich eine kleine Blaskapelle, die dann zu diversen zivilen Akten hier musisieren muss. Heute war dann grosser Aufmarsch in der Plaza mit saemtlichen Schulen des Ortes. Die Lehrer in Anzug, die Schueler in Schuluniform und manche auch in so einer Art militaerischen Uniform. Es wurde die Nationalhymne intoniert sowie marschiert und Gedichte rezitiert. Anschliessend sind wir durchs Dorf gezogen.Ueberwacht wurde das Ganze von einigen Herren in Schwarz mit Maschinengewehr.
Dem 16. September geht immer die "noche libre", die freie NAcht Voraus. Zu diesem Anlass wird gegessen, natuerlich getrunken und auch sonst ist alles erlaubt. Zum Beispiel werden die Pistolen rausgeholt und (meist) zum Spass etwas rumgeballert. Leider (zumal im Suff) ereignen sich jedes JAhr auch Unfaelle. Heute musste in der Schule leider verkuendet werden, dass gestern Nacht eine Exkollegin erschossen wurde...
Das WE war dafuer sehr schoen. Ein Lehrer hat uns zu seiner Familie ins Dorf eingeladen. Grosser Pluspunkt schonmal: dort ist es wesentlich waermer. Waehrend die Maedels hier naemlich in Soeckchen und Rock marschieren, denke ich ueber den Erwerb von Handschuhen nach. Jedenfalls besitzt die Familie so ziemlich jedes Tier, was auf einen Bauernhof gehoert. Wir durften also melken ueben! Wer genau hinkuckt, erkennt das schmale Rinnsal, dass ich aus der Kuh rauspressen konnte. Naja, nach einer Weile ging es etwas besser.Da uns auch etwas Kuhkacke mit in den Eimer gebroeslet ist, hoffe ich, dass die Milch ordentlich pasteurisiert wurde! War jedenfalls ein Spass. damit man nicht getreten wird, werden der Kuh uebrigens die Hinterbeine zusammen gebunden. Noch viel toller war: ich durfte reiten. Nicht so langweilig im Kreis herum sondern mit dem Pferd ins Feld hinaus. So zwischen Maisfeldern zu galoppieren mit Sonnenblumen und den Bergen des mexikanischen Hochlandes im Hintergrund.. Laesst sich schon leben so! Da nimmt man 2 Tage Muskelkater gern in Kauf. Ausserdem war wiedermal das ganze Festessen hausgemacht und auesserst koestlich und reichhaltig. Sonntags sind wir in die Kirche mitgegangen und ich habe mir das zweite Mal in meinem Leben einen katholischen Gottesdienst angeschaut. In Ermangelung einer Orgel wurde uebrigens mit Gitarre (verstimmt) und Triangel musiziert.Ein Wermutstropfen ist, dass es selbst in der nettesten Familie vorkommt, dass einem zu fortgeschrittener Stunde froehlich mit "Heil Hitler" zugeprostet wird. Wir versuchen dann immmer, das Ganze klar zu stellen, aber so richtig versthehen sie es nicht.Ueberhaupt ist irgendiwe immer Fiesta. Erst letztens waren wir im Nachbardorf zu einem Heiligenfest. Es geht immer lustig zu. Verstehe nur nicht, dass die Mexikaner nicht alle taub sind. Das sie nicht nur auf Blasmusik stehen sondern auch auf Boeller Sprengklasse XXL, ist mir letztens fast das Trommelfell geplatzt.
Der Unterricht geht so lala. Deutschunterricht finde ich wenig sinnvoll. Ist einfach zu schwer und weniger nuetzlich als Englisch. Deshalb werden wir wohl auch mehr einen Kulturunterricht draus machen. Es gibt eben Schueler, die denken unserer Muttersprache sei Englisch, Deutschland in Amerika oder wir haetten keine Kuehe im Land. Also viel zu tun.In Englisch haben wir letztens mit viel Erfolg Celine Dion "My heart will gon on" uebersetzt. Kam aeusserst gut an. Ueberhaupt wird hier schnulzige Musik favorisiert. Weshalb, und ich haette es nie gedacht, ich darueber nachdenke, ihnen mal Xavier Naidoo vorzuspielen. Hoelle, Hoelle, Hoelle, aber muss ja nicht meinen Geschmack repraesentieren. Der Unterricht ist hier eh etwas anders als haha zu meiner Zeit. Zum Beispiel lernen sie hier kochen und stellen Kaese im Unterricht her. Letzens habe ich hinten in einer Ecke des Klassenraums Milch pasteurisiert, waehrend die muchachos versucht haben, Wurzeln zu rechnen. Als Hintegrundmusik waehlte der Lehrer Eros Ramazotti..Wie versprochen was uebers Essen. Grundpfeiler ist natuerlich Mais. Meistens als Tortilla, aber auch als Kolben gekcoht oder gegrillt. Die Tortilla wiederrum ist ein Fladen aus Maismehl, manchmal auch mit Weizen, oder eine Mischung. Wir haben letztens mal Tortillas gemacht und es sieht selbstverstaendlich einfacher aus als es ist. Die Mexikanische Hausfrau formt bliztschnell zwischen den Handflaechen schoene runde Tortillas und baeckt sie dann auf diesen runden Blechen. Unsere Produkte waren eher fransig und mit Loechern.Die Familie hat trotzdem tapfer mitgegessen.Die Tortilla wir eigentlich stets zum Essen gereicht, auch zu Kartoffeln, Reis oder Pasta. Oder man verarbeitet sie zu einem eigenen Gericht durch Einlegen in Salsa, Braten, Rollen, Fritieren,..etc.Auf dem Dorf sind stets frische Tortillas zur Hand, eine Art Pressmaschine erleichtert gelegentlich die Herstellung.
Wir wechseln heute bestimmt wieder die Familie, bin mal gespannt. Bisher waren alle sehr nett. Nur die Philosophie beim Hausbau verstehe ich nicht. Es gibt wirklich manchmal grosszuegige Zimmer, schoen gefliesst -- nur auf eine Heizung wird komplett verzichtet.Von meiner ersten Erkaeltung habe ich mich uebrigens gerade erholt. ;-) Trotzdem gibt es hier koestliches Eis in den zahlreichen Eisdielen.

Soviel fuer heute. Mir geht es gut, nur vermisse ich die Waerme ein bisschen. Deshalb werde ich Weihnachten nocheinmal in Richtung Hawaii aufbrechen und diesmal wahrscheinlich Maui etwas naehr unter die Lupe nehmen.


Besitos und Aloha,

la gallina feliz

Dienstag, 2. September 2008

Fleisch ist mein Gemuese

Caras muchachas y caros muchachos, ich melde mich aus Nauhatzen, einem kleinen Staedtchen im mexikanischen Hochland (ueber 2000m). Endlich bin ich also in meiner Destination angekommen. Erstmal noch nachtraeglich liebe Geburtstagsgruesse an den Geologen meines Vertauens nach Cottbus! (Manni: leider konnte ich den mail-Anhang nicht oeffnen.)Zur Feier des Tages praesentiere ich ein geologisches Schmankerl: den Vulkan Paracutin, der erst in den 50ern (!) erstmals ausgebrochen ist und ein Dorf begraben hat. Nur die Kirche ragt noch raus.
Das war ein schoener Ausflug, bei dem ich fast einen 23 Jahre alten VW-Bus zu Schrott gefahren habe. Ich hatte die Bremse ueber- und den Speedbraker unterschaetzt..So ist es eben ohne Servolenkung und Bremskraftverstaerker. Wir haben es noch gut nach Hause geschafft, auch wenn wir dann mit 80km/h ein Unterbodenteil verloren haben, welches sich vorher an besagtem Huckel ..aeh.. gelockert hatte. Aus irgendeinem Grund bin ich doch nciht allein sondern noch mit einer anderen Freiwilligen hier. Wir hatten Glueck, denn wir sind genau in die einwoechige Dauerfiesta zu Ehren des Dorfheiligen eingetroffen. Das hiess mehrere Tage Dauerfiesta mit Tequila, jeder Menge koestlichem Essen, ohrenbetaeubende Musik und Stierrodeo. Der Tequila gehoert wirklich dazu und ist bei guten Fabrikaten weich am Gaumen und geschmeidig im Abgang :-) Nach Testung von ca 7 Sorten weiss ich Bescheid! Wir mussten mit unserem Gastgeber zu dritt eine Flasche leeren... Die Leute sind sehr freundlich und zeigen viel Geduld, wenn ich mit meinem katastrophalen Spanisch daherkomme. Die Unterbringung wird in verschiedenen Familien erfolgen, damit wir niemandem zu lange zur Last fallen. Ich fuerchte mich ein wenig vor dem Winter, denn schon jetzt ist es morgens sehr kalt (daher Tierra fria). Ich glaube, die meisten Haueser haben keine Heizung und warmes Wasser ist auch eher Luxus...Was Sanitaeranlagen angeht habe ich von Latrine (Doppelsitzer fuer gute Gespraeche)ueber Plumpsklo, Wasserspueluelung mit Eimer und normalem Wc schon alles gesehen.Kulinarisch gesehen sind wir hier ganz weit vorn dabei. Die Leute legen grossen Wert auf frisches, hausgemachtes und reichhaltiges Essen. Fleisch ist mein Gemuese ist dabei das Credo, morgens, mittags, abends. Da das Vieh von der Weide stammt, schlemme ich mit und es schmeckt ausgezeichnet! Gekocht, gebraten, gesotten und immer in Begleitung von mehreren pikanten Salsas in gruen, rot oder braun. Abends gibt es dann an der Plaza noch allerlei suesse Snacks, suesse Brote, Maiskolben etc. Ich werde demnaechst mal ins Detail gehen. Essen des Tages heute: Atole. Ist ein meist suesses Heissgetraenk mit Milch oder Wasser, was mit Hafer oder Mais angedickt und dann gewuerzt wird. Wie Kaltschale, nur heiss. Sehr lecker! Den Kaktus, den ihr seht, kann man auch essen. Oben sind die Kaktusfeigen, kennt ihr vielleicht. Die Jungen "Blaetter" werden von den Stacheln befreit und dann als Gemuese mit Zwiebel und Chili gebraten. Auch sehr gut.
Wir waren sogar melken mit unserem Gastgeber. Leider hatte das Kaelbchen schon soviel getrunken, dass ich am Ende mehr Tequila als Milch im Glas hatte. Aber ich denke, wir werden nochmal gehen und dann will ich auch mal probieren. Arme Kuh, bei meinen kalten Haenden. Die Schule ist eine Art Gymnasium und hat ca 300 Schueler. Heute war der montagliche Fahnenappell mit Fahnenpraesentation und Hymne.Hat mich ein bisschen an meine ersten beiden Schuljahre erinnert ;-)Wir werden wohl Englisch und Deutsch unterrichten sowie bei ein paar kleinen Schulprojekten helfen. Bin sehr gespannt, denn die Schueler sind ganz nett, aber auch scheu was das Spechen angeht. An dieser Stelle moechte ich gern die 2 Fachfrauen in Leipzig und Bryne um Hilfe bitten. Was kennt ihr denn fuer Techniken/Spiele um die Kids zu animieren?? Demnaechst werde ich wohl nach Morelia fahren, um Schuhe zu kaufen. Mit den Flipflops werde ich hier nicht weit kommen.

Sorry, ich weiss nicht, warum manche Bilder falschrum sind. Der grosse Topf ist uebrigens Atole.

Mir geht es also gut und ich hoffe, euch auch.
Mutti viel Spass beim Englisch! Ich hoffe, die Lehrein ist methodisch etwas ausgefeilter als wir es wohl sein werden...

Aloha und besitos,

Eva a.k.a la gallina feliz (mein neuer Spitzname; ungef.: die glueckliche Henne)